Duft und Riechen

Ursprünglich sollte dieser Beitrag den Titel tragen: Warum ich die Duftkommunikation liebe …

Ich habe es umgewandelt. Lieben ist gut, jedoch am Herzen liegen ist noch treffender, zumindest für mich und „meiner“ Art der Duftkommunikation.

Duft ist! … überall!

    • Das Leben ist Duft
    • Duft ist ehrliche und wahrhafte Kommunikation
    • Duft, als die älteste (chemische) Sprache der Welt
    • Duft ist Information
    • Duftmoleküle machen Gefühle, solche oder solche
    • Duft, das Tor zur Vergangenheit
    • Duft, als Brücke zur inneren Weisheit und zum Unbewussten
    • Duft ist Lebensatem
    • Duft ist Energie
    • Duft ist ein Halbding
    • Duft braucht ein wahrnehmendes Gegenüber
    • Duft „entsteht“ an der Berührungslinie zum Subjektiven/zur subjektiven Wahrnehmung
    • Ich RIECHE, also bin ich…

Ich RIECHE, also bin ich…

Vor mehr als 10 Jahren stand ein Vortrag an, in dem es um Gerüche gehen sollte. Was noch fehlte, war ein Titel.

Im Telefonat mit dem Veranstalter, sagte ich spontan, wie es denn mit „Ich RIECHE, also bin ich“ wäre…

Totenstille am anderen Ende der Leitung. Nach gefühlter Ewigkeit ein zaghaftes Räuspern und folgende Worte: Das erinnerte mich gerade an eine Situation, als ich einen Platz suchte und eine junge Frau fragte, ob der Platz neben ihr noch frei wäre. Ihre Antwort: „…wenn sie gut riechen, ja gerne“ Diese Situation muss meinen Gesprächspartner sehr beeindruckt und sich in seinem Gedächtnis verankert haben. Geruch als soziales Kommunikationsmittel. Geruch kann eine Schranke schließen oder sie öffnen und dabei sehr persönliche Erfahrungen bescheren…

Ich habe dann einen anderen Titel gewählt: „Ein Geruch sagt mehr als 1000 Worte“. Er war weniger persönlich und emotional geladen.

Die Doppeldeutigkeit, die sich in diesen 5 Worten „Ich RIECHE, also bin ich“ verbirgt, umfasst im Grunde das ganze duftkommunikatorische Prinzip. Ohne dieses „RIECHEN“ würden wir jetzt nicht vor dem PC/Laptop sitzen und diese Zeilen lesen. Es gäbe uns nicht.

Was bedeutet dieses „Ich RIECHE, also bin ich“?

Im Grunde ist es ein ständiger Informationsaustausch flüchtiger chemischer Signale. Eine Interaktion von Organismen in einem ökologischen System. Ich rieche selbst, d.h., ich gebe ständig Duftinformationen (treffender wären Geruchsinformationen) an meine Umwelt ab. Und ich nehme Duftinformationen aus meiner Umwelt auf. Sie geben mir Orientierung, versorgen mich mit wichtigen Informationen über den „Zustand“ meines Lebensumfeldes. Bedenkt man, dass wir über die Atemluft alle miteinander verbunden sind, uns gegenseitig aufnehmen quasi einverleiben, uns innerlich berühren, bekommt Atemluft noch mal eine interessante Bedeutung. Vor allem über die Atemluft in Innenräumen sind wir uns sehr nahe. … interessant, dass wir uns im Moment vor dieser Atemluft und deren Austausch schützen müssen … d.h., kein Informationsaustausch und keine Informationsverarbeitung (?).

Diese oft unbewusst wahrgenommenen Riechmoleküle, können etwas darüber „verraten“, wie ich mich gerade emotional fühle, wie es um meine körperliche (auch psychische) Gesundheit bestellt ist. Welche Gedanken mich im Verborgenen beschäftigen

Ja, Gedanken kann man riechen.

Ein Geruch braucht ein Gegenüber, etwas das ihn wahrnehmen kann, etwas Leibliches. Duftmoleküle legen Duftspuren, zu unter die Haut gegangenen, zu Vergangenen, zu Unbewussten …

Mag ich etwas oder jemanden gut RIECHEN oder stimmt die „Chemie“ nicht, nehme ich Angst, Aggression, Traurigkeit, Freude oder Liebe oder gar den Geruch der „Heiligkeit“ (den gibt es wirklich) wahr. Viele Spruchweisheiten erwähnen die „dicke Luft“, „den Braten riechen“,

Wir stehen mit den Pflanzen in enger Duftkommunikation. Jeder Duft ist das riechbare Ergebnis einer erfolgreichen Überlebensstrategie der Pflanze. Analogien zu Lebensthemen und Lebensstrategien des Menschen werden sichtbar.

Zwei Pole spielen dabei eine wichtige Rolle: Abwehr (Schutz) und Anlocken (Befruchtung).

Ein freudiges Staunen erfasste mich als ich diesen 5 Worten, in dem wunderbaren Buch von Prof. Dr. Bettina M. Pause: Alles Geruchssache, wiederbegegnete.  Da lag ich mit meinen damaligen spontanen Worten (2011) wohl gut im Thema…

Das Besondere der Duftkommunikation

Die Duftkommunikation ist eine Methode, die die Kommunikation mit dem Duft, über den Duft und durch den Duft bevorzugt. Das Objektive, der Duft (messbare Duftmoleküle) trifft auf das Subjektive, der Mensch mit seiner Nase und seiner ganz individuellen Duftwahrnehmung und Duftreaktion (quantitativ nicht messbar, sondern qualitativ erfassbar)

Bildhaft könnte für die Duftkommunikation stehen: Kunde*in und Praktiker*in sitzen auf derselben Seite des Tisches und unterhalten sich über „das Dritte“ im Bunde, den Duft des ÄÖ’s.

Augenhöhe, gleichberechtigte*r Lebens-Experte*In, sind die Basics, die in dieser Begegnung gelten. Fragenstellen, Zuhören, als „Duft-Hebamme“, mit meinem Wissen zur Seite stehen. Die Geburt schafft dieser Mensch selbst…

Das Schöne daran ist, es braucht keinen ansagenden Bestimmer (ich weiß, was du brauchst) sondern einen zuhörenden, interessierten Fragenden (zeige mir, was du jetzt brauchst).

Die Duftantworten führen zu neuen Fragen und letztendlich zu neuen Erkenntnissen bei der Kundin/des Kunden. Der Duft wird zur Brücke, die der Seele eine Möglichkeit bietet, ihre Bedürfnisse ins Bewusstsein bringen zu können und gleichzeitig Anregungen zum Gelingen in den Duftinformationen findet.

… „Ja, aber dann arbeitest du doch mit dem Unterbewussten!“…

Nein, das ist weder die Intention noch die Praktik. Sondern das Unbewusste erhält ein Angebot über den Duft und entscheidet, was es jetzt davon annehmen möchte. Sichtbar in der Reaktion: Ablehnung (d.h., da ist ein STOP und das wird respektiert) oder Annahme, es wird das unterstützende Potenzial erkannt (da geht es weiter).

Die Duftreaktionen sind wie ein Spiegel, der klar zeigt, wo ist dieser Mensch in guter Resonanz, wo findet er/sie Stärkung und Wohlgefühl. Wird hingegen der Duft abgelehnt zeigt sich ein Schattenbereich, dessen Integration noch offen ist. In der Duftkommunikation sprechen wir vom „WOW-Duft“ (unverkennbar, dieses Strahlen im Gesicht) und vom „Unduft“.

Die Duftkommunikation basiert auf einer gesundheitspraktischen und gesunden Kommunikation.

Schattenthemen werden zur Kenntnis genommen, jedoch der Stärkung und dem Wohlgefühl Vorrang eingeräumt. Es liegt der gesundheitspraktische Leitgedanke zugrunde: „Gesundheit beginnt mit Genießen“. Erstaunlich, was sich auf diesem Wege alles bewegen lässt.

Duftmoleküle aktivieren das Duftgedächtnis und öffnen die Tür zu Vergangenem. Das ehemals fühlbar Erlebte folgt, einem Zeitsprung gleich, in die Gegenwart.

Welche Duftmoleküle eines Duftes genau eine Duftreaktion auslösen und erfahrbar machen, ist wohl immer noch ein Geheimnis, denn die Duft-Erlebnis-Landkarte eines Menschen ist mit den heutigen wissenschaftlichen Methoden noch nicht quantitativ erfassbar…

Duft als die Sprache des Lebens. Alle Organismen verwenden chemische Signale zur Übertragung von Informationen.

„Die chemische Spache der Düfte gilt als die älteste Form der Kommunikation in der Natur überhaupt.“[1]

Wir Menschen sind Teil dieser Natur.

Duft und Psyche im Dialog

Es ist eine sehr spannende, facettenreiche, immer wieder ins Erstaunen versetzende „Arbeit“. Jede Duftkommunikation ist eine Entdeckungsreise, auch für mich.

In der Duftkommunikation stehen die biochemischen Inhaltsstoffe nicht explizit im Vordergrund, wie in der Aromatherapie/Aromapflege. So ist auch hier ein fundiertes Basiswissen über ÄÖ unabdingbar. Es ist jedoch ein Unterschied, ob ich körperbezogene Anwendungen beabsichtige oder ob es um die Pflege der Seele durch Duftimpulse geht. Nach meiner Beobachtung machen die ÄÖ einen guten Job. Bei vordergründig körperlichen Beschwerden, verzichten sie irgendwie auf eine seelisch-emotionale „Ansprache“. Liegt der Unpässlichkeit jedoch ein seelischer Konflikt zu Grunde kann es sein, dass das beste Rezept „versagt“. Hier ist die Duftkommunikation sehr hilfreich, weil eine ganz individuelle Abstimmung erfolgen kann.

Die Düfte werden grundsätzlich „blind“ gerochen (sie werden nicht benannt),  so ist eine ganz andere, unvoreingenommene und erwartungsfreie Wahrnehmung möglich.

Duft im Dialog Duftgespräch
Typische nonverbale Reaktionen bei einem Duftkontakt.

Es geht nicht darum herauszubekommen, welches ÄÖ sich auf dem Duftstreifen befindet, sondern es geht einzig und allein um die individuelle Duftwahrnehmung. Der erste Duftkontakt erfolgt nur durch einen kurzen Duftimpuls, das „Anklopfen“ des Duftes an die Tür des Limbischen Systems. Im weiteren Verlauf darf der Duft die Nase länger erfreuen (oder auch nicht), hier kommen kreative Fragen zum Duft und seiner Wahrnehmung ins Spiel.

Fragen, wie beispielsweise: „Ist dieser Duft angenehm oder eher weniger angenehm?“ „Welchen Weg sucht er (Duft) sich im Körper? Wo wäre er spürbar?“ „Wenn der Duft eine Farbe hätte, welche könnte zu ihm passen?“

Der Mensch ist in diesen Momenten ganz bei sich und nimmt Kontakt zu seinen Empfindungen auf, eine Rückbindung zu sich selbst, kann so gelingen.

Es gilt in der Duftkommunikation nicht der „Slogan“: „Das was du ablehnst, brauchst du unbedingt“.  Sondern es geht um ein Nähren des Selbstvertrauens, Selbstbewusstseins und der Vermittlung des Gefühls erfahrbarer Selbstkompetenz.

 

Noch ein Beispiel: Thymian

Thymian eine eher unspektakuläre Pflanzenerscheinung … solange die Hand nicht über ihn streicht.

Kraft, Feuer, Präsenz, Bedrängung, Herausforderung, Aufforderung, Durchatmen, Energieschub, freudiges „Einsaugen“ des Duftes oder erschrecktes Abwenden, sind mit seinem Duft verknüpft. Thymianduft ist kein „lauer“ Duft, es ist ein Duft, der manchmal stark polarisiert. Was ist ihm eigen, dass er diese Breite an Empfindungen erfahren lässt?

Thymian

In der Duftkommunikation wird er mit der Information der Fähigkeit des (mutigen) Abgrenzens, des „Neinsagens“, der Sicherung und Einnahme meines Lebensraumes, verbunden. In diesem Sinne fordert der Duft auf, sorge für deinen Raum, um gut und kraftvoll gedeihen zu können.

Dein „NEIN“ ist ein „JA“ zu dir selbst.

…und genau, da ist der Knackpunkt. Was geschieht, wenn ich NEIN sage, werde ich noch gemocht, werde ich ausgegrenzt, was denken die anderen dann über mich, bin ich zu egoistisch? „Ja klar übernehme ich deinen Dienst noch (hatte zwar etwas anderes geplant)…“

Pflegebeschäftigte werden mit Sicherheit wissen was ich meine. Der Duft des Thymians ist gerade in diesem Bereich manchmal eine große Herausforderung.

Ich spreche hier vom Duft des Thymus vulgaris Ct. thymol, dem sehr kraftvollen Thymian. Er ist ein Allrounder, ein mächtiger Macher und Kämpfer. Die in seinem ätherischen Öl enthaltenen Phenole besitzen eine starke Wirkung gegen ein breites Spektrum an Krankheitskeimen, d.h., diese Phenole sind in der Lage alles „vom Hofe zu jagen“, was da nicht hingehört, sie säubern sehr wirkungsvoll das Terrain.

Bemerkenswert ist, dass der Thymian verschiedene Chemotypen bilden kann, wie z.B.: Thymus vulgaris Ct. Linalool und Geraniol,Thymus vulgaris Ct. Thujanol… Diese Fähigkeit ist ein Ausdruck von flexibler Anpassungsfähigkeit an ökologische Herausforderungen. Die ätherischen Öle dieser Thymiangewächse sind „sanfter“ und fordern keine klare und konsequente „Abgrenzung“, sie gehen diplomatischer mit diesem Thema um. Ihrem Geruch fehlt die Schärfe.

Es ist von Bedeutung, wo ein Thymian wächst. Ist es in einem Gebiet, das für viele Pflanzen gute Lebensbedingungen bietet, wird er, um gut für sich und sein Wachstum sorgen zu können, verstärkt Phenole (Thymol und Carvacrol) ausbilden. Je ungastlicher, höher gelegen und „einsamer“ der Standort ist, um so weicher wird der Duft, lieblicher bis hin zu „blumig“. Dieser Thymian zeigt sich von seiner besten Seite und ist auf „Kommunikation“ aus. Es braucht an diesem Standort nicht den Kampf um den Platz.

Die Thymian-Chemotypen bietet also verschiedene Möglichkeiten, mit dem Themen Abgrenzung, Durchsetzung, Mut und Kraft umzugehen.

Duftkommunikation als Coaching mit und über die Nase.

 

[1] Mitteilung PMI71205_Duftspuren vom: 2017-12-05 Archiv der Friedrich-Schiller-Universität Jena

Weshalb mir die Duftkommunikation am Herzen liegt…
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2 Kommentare zu „Weshalb mir die Duftkommunikation am Herzen liegt…

  • 6. Januar 2022 um 17:25
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    Danke für diesen tollen Artikel! Die Natur kommuniziert immer und überall, auf so viele verschieden Arten. Düfte und auch Farben sind so deutliche und wundervolle Kommunikationsmittel, es macht die Welt so viel größer, hier genauer hinzuhören 🙂

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  • 7. Januar 2022 um 10:43
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    Ich bin immer wieder begeistert von deinem Wissen und der Art wie du es zu Papier bringst und das weckt immer wieder eine tiefe Sehnsucht in mir vielen vielen Dank für deine wundervolle Arbeit

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