Duftmarketing: Der olfaktorische Schock … wenn Winter extravagant nach Rosenseife „duftet“

by Christine Lamontain

Fürs Scrapbooking braucht Frau hin und wieder Materialnachschub. Gesehen, gefallen, bestellt. …und voller Vorfreude das Päckchen, mit den Wintermotivpapieren, geöffnet…

Boooaaah, was war das?

Der Geruch eines gewöhnlichen „Sommerparfüms“ überfiel meine Nase. Irritiert schaute ich mich um, aber da war nichts und niemand dem ich das Prädikat „überdieselt“ zuschreiben konnte. Vorsichtig entnahm ich den Inhalt des Päckchens. Das meiste war olfaktorisch o.k., nur etwas „anrüchig“

…und da war es! Es war die Tüte mit den Designpapieren. Wunderschön anzusehen jedoch olfaktorisch übergriffig, an der Grenze zu Körperverletzung. So jedenfalls empfand es meine Nase. Dieser Geruch hatte mit dem Thema Winter nicht das Geringste zu tun, er war völlig konträr zum „Winter-Duft-Gefühl“.

Zwei Tage trennte ich die Papiere von einander, und ließ sie auslüften. 6 Papiere erholten sich (noch nicht ganz, aber auf dem Wege der Besserung), doch das 7. Papier, ein Stickerbogen, hielt an seinem „Duftbouquet“ fest und peppte es sogar noch auf. Sein neues Angebot war der Geruch von penetranter billiger Rosenseife und davon richtig viel. Schneeflocken, Schneemänner, Eisbären usw. mit „Rosenduft“… eine völlig neue Erfahrung.

Der Stickerbogen, steckt nun in einer fest verschlossenen Tüte zusammen mit zwei Beutel Kaffeepulver. Mal schauen was dabei herauskommt. Denn, so, wie sein Zustand im Moment ist, kann ich ihn nicht verwenden. Die „Duft“-Sticker würden jegliches Werk verderben…

Also, entweder kooperiert der Stickerbogen mit dem Kaffee (Neutralisation) oder er wandert in den Müll. Meine klare Ansage.

Offensichtlich hat der Hersteller von Duftmarketing gehört, mit dessen Hilfe eine Steigerung des Umsatzes zu erwarten sei.

Etwas Duftlack aufgetragen oder ein Verfahren gewählt, bei dem das Papier, automatisch, beim Kontakt mit der Luft langanhaltend Duftstoffe freisetzt oder vielleicht doch lieber die mikroverkapselten Duftmoleküle auch in den Klebstoff einbringen…

Vielleicht gab es noch die Überlegung, nehmen wir Rosenduft, Rose ist immer gut und öffnet die Herzen und das Geldtäschchen.

Schnell das passendes Sonderdruckverfahren ausgewählt und fertig ist ein verlockendes Produkt das die Kunden erfreut, Bedürfnisse weckt und verspricht sie zu erfüllen, zumindest für den Moment.

Begriffe, wie: Duftmarketing, Neuromarketing, Neuroökonomie, Multisensualität, Erlebnismarketing, Emotionalisierung, Förderung von Spontankäufen, Verkaufsförderung, Vertiebs- und Produktpolitik, Kundenbindung, emotional geleitete Produkt- und Kaufentscheidung u.a.m. fielen mir besonders ins Auge.
Duft als eine Kommunikationsform ohne Worte, jedoch mit deutlicher AnSprache.

Schon Jean-Baptiste Grenouille, aus Patrick Süßkinds Roman „Das Parfum“, wusste: ‚…wer die Gerüche beherrschte, der beherrschte die Herzen der Menschen‘ (*)

Duftmarketing

Duftmarketing ist ein Teilgebiet des Neuromarketings. Neuromarketing gehört zur Neuroökonomie und diese geht gemeinsam mit der Neuropsychologie aus der kognitiven Neurowissenschaft hervor. Einem Wissenschaftszweig der Neurowissenschaften…

Eine ganze Menge „Neuro“ um Kunden für  Kaufentscheidungen zu motivieren. Mit einem geschickten Duftmarketing (z. B., Duftstoffe an der  Wahrnehmungsschwelle) lassen sich Kunden direkt und emotional ansprechen und sie sind eher zu Spontankäufen unbewusst bereit .

…ausser Thema und Duft passen nicht zusammen, dann wirkt der evolutionär sehr sinnvolle Fluchtreflex und DER Kunde verduftet.

Spannend ist, dass bei Duftmarketing, die Interaktion nicht auf gleicher Kommunikationsebene  stattfindet, sondern dem Rezipenten (Empfänger der Botschaft) nur die Möglichkeit bleibt irgendwie zu reagieren. Es stört dem kommunikationsführenden Duft wahrscheinlich eher weniger, wenn der Empfänger zurück „duftet“…

Und da Luft, Duft und Atmung eng verbunden sind , bringt es auch nicht viel die Luft anzuhalten, zumindest nicht länger als 3 min.

Fairerweise sollte ich von Geruch sprechen und nicht das Wort Duft benutzen. Denn Duft hat für mich etwas mit Wohlgefühl zu tun. 

Duft als ein Wohlgeruch, wobei im Wort „Wohlgeruch“ schon wieder eine gewisse „Anrüchigkeit“ enthalten sein könnte, den das hedonische Empfinden ist sehr individuell und eine unverhandelbare persönliche Angelegenheit 

Geruch hat den Gestank im Schlepptau.

In Falle des Stickerbogens führte diese Duft-Einbahnstraße, über meine Nase in meine „Innenwelt“ (Limbisches System) hin zu einer starken Motivation das Papier zu entsorgen und die Marke zukünftig zu meiden. Das ist sicher nicht im Sinne des Anbieters.

Verwöhnen naturreine Düfte des öfteren die Nase, riecht sie den Braten … nicht immer aber ziemlich oft. Also die Nase freudvoll trainieren und sie ernst nehmen, wenn sie sich irritiert zeigt. Ätherische Öle eignen sich für’s Training hervorragend,

In diesem Sinne: „Ich rieche also bin ich.“ (Chr. Lamontain)

 

(*) Patrick Süskind, Das Parfum (1985) (S. 199)

 

 

Duftmarketing: Der olfaktorische Schock … wenn Winter extravagant nach Rosenseife „duftet“

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