Pheromone, Riechstifte und eine olfaktorische Explosion…


erwarteten uns Mitte April im „Interdisziplinären Zentrum für Riechen
und Schmecken“ am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus in Dresden (s.hier). Hier
hatten wir eine Verabredung mit dem Leiter des Interdisziplinären Zentrums,
Prof. Dr. med. Thomas Hummel.

Wir, die Mitglieder des Arbeitskreises Sachsen-Thüringen des Vereins
Aroma-Forum-International e.V.  (s.hier) ,
erwarteten schon sehnsüchtig diesen Termin. So oft  gibt es nicht die Gelegenheit einen Experten,
auf dem Gebiet der Erforschung der chemosensorischen Sinne (Riechen und
Schmecken und deren Störungen), persönlich kennenzulernen und dabei auch noch einen
Blick in die entsprechenden Riechlabors werfen zu dürfen.                                 
Arrangiert
hatte das Treffen Manuela Blumtritt, Leiterin der AK. 

Nach einem freundlichen Empfang und einer kurzen Einführung (die so „winzig
kleine“ Fragen zum Geruchssinn enthielt, die frau veranlasste intensiv in
irgendeiner Nische des Gehirns zu „wühlen“ – mit dem festen Wissen, ich weiß es
– aber WO???) machten wir Bekanntschaft mit den „Sniffin Sticks“.

Es war schon eine Herausforderung diese Riechstoffe als das zu erkennen, was
sie sein sollte. Ein völliges Umdenken und Umriechen war nötig, da wir auf die
natürlichen Düfte der ÄÖ „geeicht“ sind. So nahmen unsere, Citrus sinensis (L), verwöhnten Nasen verwundert das „Odeur“ des
Riechstiftes „Orange“ zur Kenntnis. Ein nasales Schütteln ließ sich nicht unterdrücken..
Dumpf, und schlapp, leicht bonbonartig kam diese „Orange“ daher….
Auch der Duft
Zimt verwirrte, erinnerte er doch eher an Spekulatius auf dem Weihnachtsteller.
Der Ananasduft hingegen war sehr eindeutig. Der Duft der „alten Schweißsocke“ schwankte
zwischen muffigem vergessenen Mülleimer und alter Wäsche. Unsere Nasen hatten
ein gewisses Vergnügen dabei.

Es zeigte sich auch hier, dass es ohne Deskriptoren
nicht einfach ist, einen Duft
eindeutig zuzuordnen. Mit Hilfe, z.B., von Abbildungen ist es leichter den Weg zur
vermeintlichen Geruchs „Quelle“ zu finden. Ohne Namen bekommt ein Duft
eine andere, viel größere Wahrnehmungs-Dimension. Ein benannter Duft
hingegen, führt eher zu einer reduktionistischen Wahrnehmung. Das Bild
und/oder der Begriff prägen die Duftwahrnehmung wesentlich – der Neokortex hat die
Oberhand.
Einen Duft allumfassend entdecken zu wollen, verlangt ihn „blind“
zu riechen.

Die Frage, weshalb nimmt man für die Riechtests nicht die
(guten) ÄÖ, erübrigt sich, wenn der Sinn der Riechtests betrachtet wird. Um
einen Verlauf des Riechgeschehens beurteilen zu können und aussagefähige Ergebnisse
zu erhalten, braucht es eindeutige Referenzobjekte. Die standardisierten
Riechstoffe der „Sniffin Sticks“ gewährleisten dies. ÄÖ sind viel zu agil und
variabel und könnten möglicherweise ganz andere „Seiten“ anklingen lassen…
Prof. Hummel erwähnte, dass mit gezielten Riechübungen durchaus die Möglichkeit bestehe, dass sich die Anzahl der Riechrezeptoren oder die Anzahl der Riechzellen vermehren könnten. Sinnvoll sei es, diese Übungen über einen längeren Zeitraum durchzuführen.

Als uns Prof. Hummel geheimnisvoll ein braunes Glas (s.Bild u. Mitte) mit einer „kostbaren
Geruchssubstanz“ reichte, kam Bewegung in die Runde. Die Reaktionen schwankten  zwischen Gleichgültigkeit, Abscheu
(Männertoilette) und neugierigem Nachschnüffeln…Prof. Hummel beobachtet
schmunzelnd die Wahrnehmungen und Verhaltensweisen.
Es war Androsteron.

Und da waren sie, die Pheromone. Pheromone, die die Hoffnung nähren,
anziehend und unwiderstehlich zu sein. Quasi den „Seidenspinnerweibchen –
Effekt“ sicher in der Tasche zu haben. Ein entsprechender Duftstoß und das
Männchen (oder Weib“chen“) hat keine Chance. Es muss!!! Es folgt
unwiderstehlich und unbeirrt dieser Duftspur, um sich hingebungsvoll seinem arterhaltenden
Job zu widmen…

Interessant war, was Prof. Hummel über Pheromone berichtete. Es
brachte einiges bisher geglaubte arg ins Wanken. So trivial und phänomenal, wie
über die Wirkung der Pheromone auf Menschen berichtet, geschrieben und geworben
wird, ist es durchaus nicht.

Es steht grundsätzlich die Frage produzieren
Menschen die Pheromone und gibt es ein entsprechendes Empfängersystem, dass die
Informationen verarbeiten und ein spezielles Verhalten (zwangsläufig und quasi
willenlos) auslösen kann…
Hier nur so viel dazu. Es ist sinnvoll zum Thema Pheromone
einen Extrabeitrag zu schreiben.
Der Begriff „Pheromon“ wurde 1959 von Karlson & Lüscher
im Zusammenhang mit Forschungen über Insekten geprägt.

Unsere (tapfere) Standhaftigkeit gegenüber der pheromenalen Herausforderung
wurde mit einem kleinen Experiment belohnt.
Wir nahmen uns eine Süßigkeit und folgten den Anweisungen:
Nase zuhalten, Süßigkeit in den Mund stecken, schmecken … und dann … Nase
öffnen … und da war sie, die Olfaktorische Explosion! Unerwartet, gigantisch, ein
Duftfeuerwerk.
Wir hatten in diesem Augenblick die retronasale Geruchswahrnehmung
kennengelernt. Fantastisch!

Diese Erfahrung machte unmißverständlich klar, welche Welt verlorengeht, wenn
der Geruchsinn geht…

Zum Abschluss genossen wir noch eine Führung durch die Labors. Eindrucksvoll
das Olfaktometer, in seine Größe und mit seinen Möglichkeiten…

DANK

Für diese erlebnisreiche Zeit im Interdisziplinären Zentrum möchte ich mich,
auch im Namen des AK, sehr herzlich bei Prof. Dr. med. Thomas Hummel bedanken.
Besonders für die interessanten Ausführungen, die geduldige Beantwortung
unserer Fragen, den Humor und für die unvergesslichen (Duft)Erlebnisse.

Liebe Manuela, das war eine geniale Idee, diesen Besuch zu planen. Vielen,
vielen Dank für die gelungene Organisation und dieses tolle Erlebnis.
 

Pheromone, Riechstifte und eine olfaktorische Explosion…

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