Ein „Parfüm“ aus Holunderblüten…

im Briefkasten lag ein Brief. 
Ein Neujahrsgruß. 
…mit einem Gedicht von Eva Strittmatter. Ein Gedicht über den Holunder, über Düfte. 

Ein wunderschönes Gedicht.

Sämtliche Gedichte“  Aufbau Verlag 2006) 

Während ich es las, erinnerte sich mein Geruchsgedächtnis an die wunderbar duftenden Holunderblüten des letzten Jahres.
Da
ist der Duft der jungen, frischen und reinweißen Blüte. Leicht, kühl,
fruchtig mit einer grünen etwas holzigen Note. Ein sehr angenehmer
betörender Duft. Für mich ein Inbegriff für den jungen Sommer…
Wenn die Blüten voller Blütenstaub und quasi in die
„Reife“ gekommen sind, dann umgibt sie ein animalischer, schwerer, süßer
Geruch. Fast schon widerlich. 
In
der Mittagssonne einen Korb voller Holunderblüten gepflügt, um Sirup
und Blütenessig herzustellen. Den Duft des Sommers einzufangen.
Allein
der Gedanke, diesen Duft auf der Haut zu tragen, ließ mich mutig den
Versuch, die Holunderblüten in Öl auszuziehen, noch einmal unternehmen.
Ein derartiger Versuch war mir ein Jahr zuvor total missglückt – es war
eine exzellente Jauche geworden – geruchlich seeehr eindrucksvoll.

Also,
die Holunderblüten ausgeschüttelt, ausgebreitet (um mögliche
Restfeuchte zu entfernen), die Blüten von den Stängel befreit, in ein
Schraubglas gegeben und mit Mandelöl (süß) übergossen. Das Glas mehrmals
„aufgestaucht“, damit Luftblässchen entweichen können und mit einem
Mulltuch abgedeckt. Das Ganze in den Halbschatten gestellt und am
nächsten Tag den Deckel geschlossen. Jeden Tag das Glas etwas bewegt und
gewartet.
Nach
ca. 6 Wochen habe ich das Glas geöffnet, in großer erwartungsvoller
Vorfreude und … ich prallte zurück! Es stank fürchterlich! Wie die
„gereiften“ Blüten. 
Material
und Öl sahen jedoch einwandfrei aus. Frustriert schloss ich das Glas
wieder und wollte es später entsorgen … dabei habe ich es vergessen.
Irgendwie kam es erst nach ca. 3 Monaten bewusst wieder in mein
Gesichtsfeld und ich brachte es endlich (schweren Herzens) weg.
Die Überraschung: nicht entsorgen sondern filtern! 
Es duftete wunderbar aus dem Glas.
Der
pure Duft von Holunderblüten – herrlich! 
Ein Duft, wie ich ihn wollte.

Es ist mir ein Rätsel, welcher Prozess der Umwandlung in der Zeit des „Vergessens“ stattgefunden hat…

Nach lesen des Gedichtes, habe ich das Holunderblütenöl wieder hervorgeholt. Es ist noch besser
geworden. Gereift, wie ein alter Wein. Eine kleine Kostbarkeit. Der
Blütenduft ist so identisch präsent. Schließe ich die Augen, dann stehe
ich am Hollerbusch, spüre die Sonne auf der Haut und atme genussvoll
diesen Sommerduft ein. Ich fühle mich völlig entspannt, geborgen und in
freudiger Neugier…


Es ist ein Parfüm des Sommers entstanden, das keine weiteren Zutaten braucht.
Interessant
ist die Reaktion auf den Duft. Habe einige Tropfen auf meine Handrücken aufgetragen und mein Gegenüber gebeten mir zu sagen, wie es riecht. „…es
riecht sehr gut, etwas nach Moschus…“
Olla! Diese Parfüm hat es irgendwie in sich.
In diesem Jahr werde ich die Blüten in Jojobaöl ansetzen, damit das Ergebnis unsterblich wird sprich sehr lange hält.
Auch ein Balsam oder eine Creme mit diesem Holunderblütenöl wären denkbar.

PS:
Bei Susanne Fischer-Rizzi in ihrem neuen Buch, „Das grosse Buch der
Pflanzenwässer“ AT Verlag 2014, habe ich folgendes zu
Holunderblütenwasser (S.122/123) gelesen: „ausgleichend, beruhigend,
entspannend, schlaffördernd, stimmungshebend, stressmildernd,
abschwellend, entstauend, entzündungshemmend, immunstimulierend,
schweißtreibend“. Diese Angaben beziehen sich explizit auf das Hydrolat aus Holunderblüten. Vielleicht gibt es Ähnlichkeiten zum Ölauszug…

Ein „Parfüm“ aus Holunderblüten…
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