Wenn du den Duft nicht magst, dann brauchst du ihn … unbedingt!

So oder ähnlich begegnen mir immer wieder Meinungen, Aussagen oder Ansagen.

Stimmt das wirklich?

Brauche ich diesen „Unduft“, der meine Nase provoziert, der Ablehnung hervorruft, von dem ich mich erschreckt abwende, der Übelkeit auslöst, der mich erstarren
lässt, wie schockgefrostet … der mir schlicht ordentlich olfaktorischen UND emotionalen Stress beschert?

NEIN!

Nicht in diesem Moment und vielleicht auch nicht im nächsten.

Die Nase macht eine klare Ansage und ihr Wächter signalisiert ein eindeutiges STOP.

Möglicherweise weist dieses STOP auf ein Schattenthema hin, dessen Integration noch nicht gelungen ist…, weil vielleicht der Schmerz dahinter noch zu unannehmbar ist, weil dieser Duft noch zu viel… wachruft.

Der Wächter, der eine Standleitung zur Amygdala und dem restlichen limbischen System hat, macht einen guten und zuverlässigen Job… Er schützt sein (mein) System.

Das Wunderbare an der gesundheitspraktischen Duftkommunikation ist, es liegt das Augenmerk nicht auf  „was quält dich gut…“, sondern auf „was stärkt dich und was tut dir gut…“

Es führen viele Wege nach Rom, …auch viele Duftwege…

Nimm diese Mischung, die ist gut…, denn

  • das, was du ablehnst, brauchst du unbedingt
  • das, was dir gefällt ist für den Körper gut, das, was du ablehnst, braucht die Seele
  • ich weiß, was du brauchst, egal, ob es dir gefällt, da musst du jetzt durch
  • usw.

Die Fragen, die sich mir dabei stellen, sind: 

  • Wer sagt und weiß, was ich brauche?
  • Wer spricht mir meine (Nasen)Stimmigkeitskompetenz ab?
  • Wer begegnet mir als überlegene/r „Wissende/r“ statt mit mir auf Augenhöhe sich diesem Duftthema respektvoll zu nähern?

Die gutgemeinten Ratschläge

Situation: Einen „Störenfried“ verschwinden lassen

„Oh, was kann ich mit diesem ÄÖ machen? Ich kann es nicht riechen, es löst Ekel aus. Es sollte doch,  nach Literaturbeschreibungen, für Entspannung und Erdung  sorgen …“

Hilfreich werden Vorschläge gemacht, mit welchen anderen Düften dieser „Störenfried“ zu mischen oder zu verdünnen wäre, um ihn erträglicher zu machen. Es wird nicht funktionieren. Selbst aus der Mischung heraus wird er reizvoll der Nase seine Ehrerbietung machen. ÄÖ ohne vorherige Geruchsprobe zu kaufen, kann durchaus ein Risiko sein. Stehst du am Anfang deiner ÄÖ Bekanntschaft, lohnt sich ein Besuch in gut sortierten Fachgeschäften (Apotheke, Reformhaus, Bioladen, Naturkosmetik u.a.)

Dort gibt es Tester-Aufsteller, an denen du dich durchschnuppern kannst. Spart Geld und Enttäuschungen.

Situation: Wenn Wünsche auf schnelle Antworten treffen

KL: Ich brauche etwas für mein Selbstvertrauen…
A: Na, dann nimm das, dieses ÄÖ stärkt das Selbstvertrauen…

  • Kann ein ÄÖ das mal so nebenbei lösen? Wofür Selbstvertrauen?
  • Es könnten z.B., die Mandarine rot, der Jasmin sambac, die Weißtanne, der Lorbeer, der Rosmarin infrage kommen. Was sagt die Nase dazu? Welche Duftinformation wäre förderlich? …und bestenfalls ist es etwas ganz anderes.

KL: …und ich hätte gerne etwas gegen Stress.
A: Hier ist eine Anti-Stress-Mischung…

  •  Welche Art von Stress?
  • Überforderung? Kommunikation? Fehlendes „NEIN“? Passt diese Mischung für das Anliegen? Oder würde es den aktivierenden, agierenden Rosmarin brauchen, um sich endlich einmal zu zeigen und sich durchzusetzen oder doch eher die Melisse zur Beruhigung, vielleicht auch den bereinigenden, entscheidungsfreudigen Lavendel? Oder etwas ganz anderes…

KL: Ich möchte gerne mehr Mut, welches ÄÖ soll ich da nehmen…?
A: Das ÄÖ xy soll stark auf die Psyche wirken… habe ich gelesen.

  • Mut wofür?
  • Um Angst zu bewältigen oder um den ersten Schritt in ein neues Projekt
    zu gehen? Passt da ein ÄÖ das stark auf die Psyche wirkt, wie man ja gelesen hat? Wäre der Thymian beim Nein-Sagen hilfreich, die Zirbelkiefer um ins neue unbekannte Terrain zu schreiten, vielleicht die Zeder oder gar ein Blütenduft… Was sagt die Nase dazu?

Pauschale Empfehlungen sind eher Glückstreffer, denn es können unerwartete Düfte, die typischerweise nicht dafür „vorgesehen“ sind, in Frage kommen.

Angesagte Rezepturen oder ÄÖ können manchmal dabei „versagen“. Die Schuld liegt keineswegs bei den Rezepturen oder bei den ÄÖ. Die Tatsache, dass ÄÖ ein Geruch anhaftet, könnte der Schönheitsfehler sein.

Duftmoleküle
machen Gefühle, sie gehen unter die Haut, Duftwahrnehmungen sind individuell und manchmal sehr intim. Sie kommunizieren mit allem, was jemals eine Duftspur in uns hinterlassen hat… und sie kommunizieren mit dieser unergründlichen „Blackbox“ hinter unserer Nase. …und d.h., so schön wie es wäre, es gibt keine Einheitsdüfte oder Standard-Mischungen, die für alle Befindlichkeiten und für jeden Menschen wirksamen Erfolg folgen lassen. Es ist und bleibt individuell.

Heißt dies nun, dass du keine Mischungen aus der Literatur verwenden sollst? – Nein, das  heißt es nicht.

Diese Rezepturen sind wunderbare Anregungen und in seriöser Fachliteratur mit Bedacht und Erfahrung zusammengestellt. Jedoch liegt der Focus, wie für die Aromapflege und Aromatherapie erforderlich, auf der Zusammensetzung ÄÖ bzgl. ihrer biochemischen Inhaltsstoffe und deren pharmakologischen Wirkprinzipien.

Beim Dialog zwischen Duft und Psyche kommen den Duftinformationen und dem individuellen Duftempfinden eine wesentliche Rolle zu. Das ist der Unterschied.

Also lass dich anregen von Mischungen und Beschreibungen der ÄÖ aber überprüfe es mit deiner Nase, ob es jetzt für dich so stimmt und stimmig ist.

Duftablehnung

Die Art und Weise der Ablehnung ist in der DuKo von Bedeutung.

Ist es so ein „komm her, geh weg“ Gefühl nach dem Motto: Igitt! Geh weg …aber irgendetwas hat der Duft, ach nee, dich brauch ich und will ich nicht …

Dann könnte sich dieser Duft, mit Einverständnis des Riechenden, als „Arbeitsduft“ eignen. Ihn zu erforschen, wie er sich im Laufe der Zeit entwickelt, wie sich die Wahrnehmung dazu verändert, ist eine spannende Entdeckungsreise. Möglicherweise steigt dieser Duft im Wohlgefallen einige Stufen höher und er wird sogar richtig angenehm.

Ist es jedoch ein Duft, der eine heftige Abwehr, bis hin zu Ekel, akutem Brechreiz, emotionale „Schockstarre“ auslöst, dann

FINGER und NASE WEG!!!

Dieser Duft berührt etwas, das aus einem guten Grunde stark geschützt ist, was auch immer damit im Zusammenhang steht. Es kann sich um unverarbeitete Traumata handeln, um unbewusste Duftspuren/Situationen, die so schmerzhaft erlebt wurden, dass eine Erinnerung daran momentan überfordert.

Hier gilt es diese Ablehnung respektvoll zu akzeptieren und jegliches „Nachbohren“ zu unterlassen. Das Risiko einzugehen, aus lauter Neugier sich die „Büchse der Pandora“ um die Ohren schleudern zu lassen, ist vielleicht nicht so attraktiv. Bin ich überhaupt in der Lage, das Ausgelöste zum Wohle des Riechenden aufzufangen?

Düfte die gefallen, die guttun, die stärken sind angezeigt und können über die Zeit den Weg bereiten, dass dieser „Unduft“ einmal zum „Arbeitsduft“ wird, d.h., sein Schreckensszenario ablegt und eine gewisse gesunde Neugier auf den Duft und seine Facetten entsteht.

Noch ein Wort zum Schluss

Ich freue mich immer sehr, wenn ich höre und lese „Befragt die Nase dazu“ und das lese ich immer öfter… Danke.

Die Duftkommunikation ist eine wunderbare Erweiterung der Möglichkeiten in der Anwendung von ÄÖ.

…und wenn ein ÄÖ Einsatz in einer körperlichen (akuten) Anwendung gefordert ist, dann tritt die Nase zur Seite und lässt dem ÄÖ den Vortritt. Allerdings, bei chronischen Angelegenheiten lohnt es sich die Nase einzubeziehen.

So meine Beobachtung…

 

 

Wenn du den Duft nicht magst, dann brauchst du ihn … unbedingt!

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